Comics haben es in der (angeblich so) hohen Kultur bekanntlich immer ein bisschen schwer. Verlage mussten schon den Begriff “Graphic Novel” erfinden, um zumindest noch ein bisschen eine Chance gegen gnadenlose Kritiker zu haben, die längst vergessen haben, was sie als Kind alles so verschlungen haben.

Der Nachteil dieses Weges war, dass sich so eine Art Unterscheidung eingeschlichen hat, die es auch in der Literatur gibt. Die berühmten E’s gegen die berühmten U’s. Und so gibt es eben Graphic Novels auf der einen Seite und Superhelden und Mickey Maus auf der anderen. Manchmal allerdings passt diese Unterscheidung beim besten Willen nicht. Kurt Busieks und Alex Ross’ Marvels ist definitiv so ein Fall.

Und das nicht nur wegen der Umsetzung, die sich schon grafisch von den meisten anderen Superheldencomics absetzt. Wobei dies natürlich das größte äußerliche Merkmal ist, dass diesen Comic (oder sollte ich sagen, diese Graphic Novel?) heraushebt.

Auch in der Handlung hebt sich Marvels deutlich von dem herab, was man eigentlich erwarten würde. Denn eigentlich geht es nicht um Superhelden und Mutanten, obwohl das Buch von nichts anderem handelt. Es ist die Perspektive, die ungewöhnlich ist.

Erzählt wird zwar eine Art Best of aus dem Marvel Universum, und Fans werden vieles wieder erkennen, aber die Geschichten sind nur von Außen betrachtet. Aus der Sicht eines Fotoreporters, der an einem Buch über Superhelden arbeitet und dies schon seit 1939. Es ist also die Geschichte aus der Sicht von Otto Normalo, der das Auf und Ab der Superhelden betrachtet und damit auch ihren Aufstieg und ihren Fall und wieder ihren Aufstieg und wieder ihren Fall.

In den gelungenen Dialogen und dem Bericht des Reporters, der dem Leser die Ereignisse schildert, spiegelt sich die alte Frage wider, die manchmal auftaucht, wenn wir uns Fragen, wie eine echte Welt mit Superhelden so wäre. Oder mit Mutanten? Oder was auch im Marvel Universum eigentlich wirklich der Unterschied zwischen Superhelden und Mutanten wäre.

Herausgekommen ist dabei ein anspruchsvoller Comic, der selbst Graphic Novel-Lesern, die sonst wenig mit den Avengers oder X-Men anfangen können, einen Einstieg ins Marvel Universum bieten könnte.

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